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"Ums heilige Landl"

Aufstand der Ober- und Unterländer Bauern
in  der Sendlinger Mordweihnacht

Die historische Gotzinger Trommel


 


m Jahre 1679 übernahm Kurfürst Max Emanuel die Regentschaft des mächtigen und bedeutenden Fürstentums Baiern. Bei der Befreiung Wiens von den Türken 1683 und im Pfälzer Erbfolgekrieg hatte Max Emanuel erfolgreich an der Seite des kaiserlichen Heeres der Habsburger

gekämpft. Sein Sohn Joseph Ferdinand war daher als Nachfolger Königs Karl II. von Spanien vorgesehen. Joseph Ferdinand starb aber bereits 1699 im Alter von sieben Jahren. Als nun der kinderlos gebliebene spanische König Karl II. am 1. November 1700 starb, entbrannte der Spanische Erbfolgekrieg zwischen dem habsburgischen Österreich und dem bourbonischen Frankreich. Max Emanuel schlug sich mit seinem Heer auf die Seite Frankreichs und kämpfte mit den Franzosen gegen den deutschen Kaiser und dessen verbündete Heere von England und den Niederlanden. Damit verstieß der „blaue Kurfürst“ gegen die Reichsverfassung.

 


m Streit um die Thronfolge wurde ganz Europa mit Krieg überzogen. Baiern wurde zum Durchmarschgebiet der Großmächte Frankreich und Österreich, Land und Leute litten unter den Verwüstungen und Zerstörungen durch die kriegführenden Mächte. 1704 wurden die bayerisch-französischen Truppen

durch Prinz Eugen von Savoyen Carignan und Herzog John Churchill von Marlborough bei Höchstadt und Blindheim vernichtend geschlagen. Die Niederlage kostete den Kurfürsten Max Emanuel Heer und Land, der Kaiser verhängte die Reichsacht über ihn. Die kaiserlichen Truppen setzten die Ausbeutung des ohnehin ausgebluteten Landes Baiern fort. Eine Steuer jagte die andere, die Not stieg, und in der Bevölkerung breiteten sich Zorn und Unmut aus. Maßlose Schikanen und Zwangsrekrutierungen für die Armee des Prinzen Eugen waren der Auslöser für die Erhebung der Landbevölkerung gegen die österreichischen Besatzer an Rott und Vils, im damals noch bayerischen Innviertel und in der Gegend zwischen Braunau und Burghausen. Der Pfarrer von Oberviechtach, Florian Siegmund Maximilian Miller, forderte unter dem Motto „Lieber bairisch sterbn  als wie kaiserlich verderbn“ zum allgemeinen Aufstand auf.

 

Sturm auf den Roten Turm

Schlachtenszene 1705 von Franz-v.-Defregger aus dem Jahre 1881

 


ach wechselvollen Kämpfen rückten die Unterländer Mitte Dezember 1705 nach München vor. Die geplante Verbindung mit den Oberländer Bauern aus den Gerichten Aibling, Benediktbeuern, Hohenwaldeck, Tegernsee, Tölz, Starnberg und Wolfratshausen kam nicht zustande. Am 24. Dezember

mittags marschierten rund 2.700 größtenteils nur mit bäuerlichem Gerät und Stichwaffen ausgerüstete Oberländer von Schäftlarn aus nach München. Um vier Uhr erreichten sie Bayerbrunn, um acht Uhr Solln, um zehn Uhr Thalkirchen und um Mitternacht gelangten sie vor die Wälle der Stadt. Zwar gelang den Aufständischen zunächst die Besetzung des „Roten Turms“ vor dem Isartor, in den frühen Morgenstunden wurden sie aber vom ausfallenden Heer und der Kavallerie der kaiserlichen Truppen unter General von Kriechbaum überrascht und auf dem Rückzug bei Sendling regelrecht niedergemetzelt. Die versprochene Gnade, um die bayerische Offiziere zuletzt nachgesucht hatten, blieb den Aufständischen verwehrt.
Nur 14 Tage später folgte die zweite Tragödie: General von Kriechbaums Truppen schlossen das Bauernheer der Unterländer bei Aidenbach in Niederbayern ein und richteten ein furchtbares Gemetzel unter den Aufständischen an.

 


urch zahlreiche Hinrichtungen, Folterungen und Sippenhaft für entflohene Bauern nahmen die Besatzer Rache für die Bauernrevolte an der Bevölkerung. Erst dann ließen sie Milde walten: Die Zwangsrekrutierungen wurden aufgehoben und den Bauern teilweise sogar Entschädigungen

zugestanden. Dennoch blieben die Kaiserlichen bis zum Friedensschluss von Rastatt im Jahre 1714 im Land. Danach konnte Max Emanuel wieder nach Bayern zurückkehren. Zwar erhielt er seine Kurwürde und die früheren Rechte zurück, auf dem politischen Parkett Europas spielte er allerdings keine Rolle mehr.

 


it mehr als 900 Mann stellte das Gericht Aibling das größte Aufgebot unter den aufständischen Oberländer Bauern. Rund 400 kamen allein aus der Grafschaft Valley, darunter ein Großteil aus dem Gebiet der hiesigen Pfarrei wurden vom Landpfleger Alram geführt, der eine gemalte Fahne mit dem Bild

der Gottesmutter und der Aufschrift: „Churbairische Oberlanddefension“ anfertigen hatte lassen. Auch das Kloster Weyarn soll mit den Aufständischen sympathisiert haben: Subdekan Florentin Haspieder soll in seinen Predigten mehrmals zum Widerstand gegen die österreichische Besatzung aufgerufen haben.

 


ährend des gesamten 18. Jahrhunderts wurden die Ereignisse von 1705/06 in der Literatur und Historiographie mit größter Zurückhaltung behandelt. Die nationalpatriotische Deutung dieser lokalen Revolte setzte erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. In dieser Zeit wurde auch die Legende um den

sagenhaft starken Schmiedbalthes gestrickt, dem Anführer der Oberländer, der als einer der letzten Aufständischen zu Tode gekommen sein soll, und von mindestens drei Orten als „Ortsheiligtum“ beansprucht wird. Die Gestalt des „Schmied von Kochel” fand die weiteste Verbreitung, inzwischen ist aber bewiesen, daß der legendäre Anführer der Oberländer nicht aus Kochel stammte.

 

Die alte Schmiede in Bach
Das Schmiedhaus in Bach

 


eschichtlich belegt ist allerdings der Tod von 56 Männern aus der Pfarrei Neukirchen, zu der damals noch die Orte Fentbach und Sonderdilching gehörten. Darunter befindet sich auch Balthasar Riesenberger, Schmied von Bach, der die Neukirchner angeführt haben soll. Er stammte aus einer alten

Holzollinger Schmiedfamilie und hatte 1695 Anna Mayrin, Bauerstochter vom Marx- oder Trumpfhof in Bach, geheiratet und diesen Hof, der heute Bacherhof genannt wird, übernommen. 1697 begründete er dort eine Schmiede. Sein Sohn Josef Riesenberger erlernte ebenfalls das Schmiedehandwerk und erbaute um 1730 das heute noch existierende Schmiedhaus in Bach.
 

Reinnerungstafel an der alten Schmiede

Die Gedenktafel am Schmiedhaus in Bach

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
von Dr. Katja Klee

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